1945 – 1955
Der Zusammenbruch der NS-Diktatur bedeutete auch die Reorganisation der staatlichen Stellen, zumeist unter Bedachtnahme auf die Lage vor 1938. An der Akademie wurden mit 22. Juni 1945 zunächst 24 Angestellte des Dienstes enthoben, unter ihnen auch K.St. wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP, nun zum zweiten Mal. Die „illegalen“ Nationalsozialisten Alexander Popp, Albert Magnaghi, Herbert Dimmel wurden sofort entlassen.
Die zu K.St.s politischer Beurteilung eingesetzte, für die Entnazifizierung gebildete Sonderkommission ließ sich in ihrem Entscheid von einem durch das Professorenkollegium formulierten Standpunkt leiten, nach dem K.St. trotz seiner künstlerisch hervorragenden Leistung für die künftige Unterrichtsarbeit nicht geeignet sei. Die Kommission bestätigte die Dienstenthebung, ein Urteil, das 1946 in den dauernden Ruhestand umgewandelt wurde. K.St.s Pension wurde um 5% gekürzt. Die Forderung dreier Studierenden, Utta Gürth, Franz Kuno Steindl-Rast und Elfriede Vogt, K.St wieder als Professor einzustellen, wurde nicht berücksichtigt.
Bis zu seinem Tod beschäftigten K.St. zumeist religiöse Bildthemen und allegorische Arbeiten, die er als „Mahnmale“ verstand. In einem Brief an den Journalisten Jorg Lampe 1953 erklärte er dies so: „Ich begann mit ‚Jeremias‘, der mir als der große Prophet auch unserer Zeit erscheint. In 53 Kapitel [tatsächlich sind es 52 Kapitel] mahnt er vergeblich sein Volk gegen den Materialismus, prophezeit den furchtbaren Untergang, den er in 5 Klageliedern besingt. / Neben Jeremias suchte ich aus der alten Schrift ‚Isaias‘ zu gestalten, dann ‚Moses‘ und ‚Abraham‘ […]“.
Die immer wieder erneuerten Kontakte zu ehemaligen Studierenden, wertschätzende, auch beruhigende Belege für jahrzehntelange anerkannte Lehrtätigkeit, ermöglichten Besuche und auch briefliche Kontakte, begründeten tiefergehende Gedankenverbindungen und holten den Künstler aus der Vereinsamung.
Der Brief Curt Kriesers, eines Sohnes des in die USA geflohenen Sammlers Hugo Kriesers im Juli 1947 holte K.St. wieder die Vergangenheit zurück. Überraschenderweise sollte er erst dadurch erfahren, dass die wohl umfangreichste Sammlung verschollen, ein Gutteil seiner Werke unwiederbringlich verloren war.
Nach mehrjähriger Absenz im Ausstellungsbetrieb zeigte im September 1949 eine Verkaufsausstellung der wiedereröffneten „Neuen Galerie“ wieder eine „Gebirgslandschaft“ des Künstlers. Aufträge hingegen ließen warten. 1952 bot Albert Paris Gütersloh K.St. an, sich beim Kulturdezernenten der Stadt Wien, Eduard Gaertner, für die Gestaltung eines Bildes an einem städtischen Wohnbau zu verwenden. Doch von der Gemeinde Wien in Aussicht gestellte Projekte zerschlugen sich, so etwa die Möglichkeit, einen Saal des Amtshauses Wien Floridsdorf mit Kaseinmalerei auszustatten. Schließlich erhielt der Künstler den Auftrag zur Gestaltung des keramischen Mosaiks „Pferde“ für den „Theodor Körner-Hof“ im 5. Wiener Gemeindebezirk.
Mit Unterstützung des Priesters Arnold Dolezal aus dem Kreis der „Neuländer“ begann K.St. in kirchlichen Kreisen nach Möglichkeiten zu suchen, seine neuen Arbeiten zu präsentieren, so mit Unterstützung von Domprälat Karl Rudolf und Erzbischof Franz Jachym.
Anlässlich seines 70. Geburtstages gab ihm die Akademie der bildenden Künste Raum für eine Ausstellung, ihr Titel: „Religiöse Kunst“. Eröffnet wurde sie im Februar 1955. Das Lob des Feuilletons war beinahe einhellig. Ein Dr. N. in der „Neuen Wiener Tageszeitung“: „Sterrer, der Altmeister des Aktes und der landschaftlichen sowie figuralen Komposition, verfolgt nunmehr eine Schaffenslinie. Ausgehend von literarischen Studien und Eindrücken, versucht er mitten in den Strom der Modernen zu treten. Das gelingt ihm erstaunlich gut, besonders dort, wo er aus innerstem Wollen stark lineare, religiöse Bilder schafft, die nach großen Wänden verlangen, um sich freskal auszuleben.“ Trotz solcher Wertschätzung verhindert Sterrers Scheu vor der Öffentlichkeit die Teilnahme an Ausstellungsbesuchen und -eröffnungen.
Werke: „Jeremias – Mahnung an die Menschheit“ (1945, 1946), „Golgatha“ (1945), Serie „Frauen unserer Zeit“ (um, ab 1950), „Poesie“ (1951), „Zwei Pferde, eine Taube – Mosaiken am Gemeindebau Theodor Körner-Hof“ (1953-1956)